Drei Jahre nach "Lenin" senden die Goldenen Zitronen ein neues musikalisches Lebenszeichen. Und nach 25 Jahren Zitronen wissen wir ja, es gibt immer Überraschungen - drei Jahre, in denen sie sich über den Kapitalismus, der sich seit seinem Nervenzusammenbruch immer ungenierter gibt, noch mehr als sonst geärgert haben. Doch statt sich zu verdunkeln, liefern sie einen souveränen, von tütender Elektronik und Drohkulissen durchzogenen Kunstvorfall der sogar noch groovt und tatsächlich mal wieder Hits enthält (der landeshauptmanns letzter weg, drop the stylist, aber der silbermond, lied der medienpartner). "Die Entstehung der Nacht" ist weder Wiederholungen von Kritik, noch stellen sich die Goldenen Zitronen über die Verhältnisse. Lieber lassen sie als Kenner der Konsumgesellschaft ihren Reflexen freien Lauf und halten uns verdammt nochmal immer noch den Spiegel vor die Nase und fröhnen ihrer unangepasste Beharrlichkeit. Aufgetürmt durch manches Instrument (darunter Gebläseorgel, präpariertes Klavier, Bongos, Flöten, Kontrabass) und maschinelle Druckmittel (häufig analoge Synthesizer statt Schlagzeug) schafft sich "Die Entstehung der Nacht" seine eigenen Verhältnisse zwischen Krautrock und Techno, zwischen Can und FSK. Der Text bleibt dabei selbstredend erstes Instrument ohne den Humor zu verlieren. Mit dabei: Michaela Mélian (F.S.K.), Melissa Logan (Chicks on Speed), Jakobus Siebels (JaKönigJa) und Mark Stewart. Top. *Buback