Schwarzes Vinyl mit Klappcover. "Wenn ich wüsste, was in dieser Kiste ist, küsste ich Dich, den Fürst von Metternich", mit diesen Zeilen beginnt der von Olaf O.P.A.L. produzierte Psychedelic-Rock-Trip des 2ten Albums und schon befinden wir uns mittendrin im 17 Lieder starken Ententraum-Epos von Peter Rubel, Pedro Goncalves Crescenti und Joel Roters. Die blühende textlich Fantasie in Kombination mit musikalischer Freizügigkeit zwischen Schrammel, Twang und Post-Irgendwas, die auf dem vereinnahmenden Debutalbum des auch als Düsseldorf Düsterboys in Erscheinung tretenden Trios schon von mehr als nur einer der größten Versprechungen des deutschsprachigen Gitarren-Untergrunds kündete, erhält hier ein massives, rundum glücklich machendes musikalisches Update, einen Nachfolger, der mit durchweg hoher Qualität auf langer Strecke besticht. Seltsame Charaktere wie der "Gedankenzähler", der mit versponnenen wie entzückenden Ideen aufwartet, haben eindrückliche Auftritte im surrealen "Ententraum". Alles ergibt sofort Sinn, wenn die Band den band-typischen Harmonie-Chorgesang anstimmt, der immer so klingt, als sängen The Byrds gerade zusammen mit Ian Curtis. 60s-Pop und 80er-Postpunk befinden sich hier in innigen Umarmungen. Flowerpower in einer Welt aus Beton und Glasfaserkabeln. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob gerade die "Beauty of the bar" oder ein "Wassermann" besungen wird, ob wir uns mit ihnen auf die "Insel der Verlassenheit" oder in die "Höhle der Vernunft" begeben. Am treffendsten bringt es die Band selbst im Song "Misery" auf den Punkt: "Die Sprache ist eklektisch. As you and me!" Doch sobald der Chorgesang aufblüht, ist die Band über "All this misery" komplett erhaben. Das Herz geht einem auf - und das ohne jeden Deutschrock-Pathos! Da wird sich zwischendrin lieber in bester S.Y.P.H.-Punk-Manier mit verzerrten Instrumenten gegenseitig angemacht und "Spiel Bass!" geschrien, Oder es erklingt, wie im Song "Marmeladenglas", ein Stoner-Rock-Riff, das sich im Laufe des Stücks zum monotonen Drone entwickelt, weil Drummer Joel Roters den Schlagzeug-Einsatz so schön lang herauszögert. Und wenn es schließlich in dem Song "Zucker" heißt: "Falsche Leute angelacht / Zu viel nachgedacht / Weltraumschrott im Treppenhaus / und der Blues schaut aus seiner Wohnung / in seinem Samtpullover in dunkelblau / Hart aber fair, am Start und zwar sehr", dann sind die Fehlfarben aus "Monarchie & Alltag" tatsächlich nicht mehr weit. Vielleicht sind International Music so etwas wie eine hochmusikalische Punkband. Wobei sie unbedingt auch eine Krautrock-Band sind, hörbar große Verehrer von La Düsseldorf, die sich aber immerzu dem Song verpflichtet fühlen. Ebenso unüberhörbar: Der Einfluss der brasilianischen Tropicalismo-Bewegung. Der "Ententraum" ist ein humorvolles, sprachverliebtes, psychedelisches (Anti-) Konzeptalbum voller Hits für hochkomplizierte Zeiten! *Staatsakt

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