Release
D 17
Genre

2017er-Album.“Aus Area 51 wird Marteria 51, aus Roswell wird Rostock.” Roswell ist Rostock, natürlich. Und doch könnte Roswell überall sein, wo es Menschen gibt, die sich ein bisschen anders fühlen. Menschen wie der Rostocker Marten Laciny. Vor zehn Jahren tauchte der auf dem Radar wohl informierter Musik-Connaisseure auf, maskiert als bekifftes Fabelwesen Marsimoto. Es folgten: Fünf Alben. Mehrfach Platin. Radiohits wie “Lila Wolken” oder “Kids”. Kollabos von Campino bis Haftbefehl. Eine ausverkaufte Berliner Wuhlheide und ein noch größeres Konzert, zuhause in Rostock. Marteria hat Hip-Hop wieder cool gemacht und Sprache in diesem Land geprägt. Verbiegen musste sich Marteria bei all dem nie. Er hat stattdessen einfach die Welt um sich herum verbogen. An diesem Wunsch nach Veränderung hat sich nie etwas geändert. Im Gegenteil: “Roswell” verströmt die Unruhe und den Ungehorsam, nach dem diese Zeit verlangt. Die Platte ist laut und voller Energie, persönlich und politisch, unbequem und unverschämt eingängig. Ein perfektes Beispiel dafür ist die erste Single “Aliens”, eine Ode an alle Außenseiter. Die Musik ist in jedem Sinne groß, große Beats für die große Bühne, mit einer Hook von Teutilla alias Arnim, im Hauptberuf Leadsänger der Beatsteaks: “Wir sind gottverwandte Aliens!” Das ist die Superkraft von Marteria und seinen kongenialen Studiopartnern The Krauts (die wie schon die beiden Teile von “ZGIDZ” auch “Roswell” musikalisch verantworten). Sie nehmen sich radikale Referenzplatten von Dr. Octagon, The Prodigy oder David Bowie und machen daraus eigenständige, ergreifende Popmusik. Ihr Handwerk als Texter und Musiker haben sie mit “Roswell” weiter optimiert. Jedes der zwölf Stücke folgt einer klaren Idee und der stillschweigenden Übereinkunft, sich ausschließlich mit größtmöglicher Geilheit zufrieden zu geben: “Unser Anspruch ist immer, außergewöhnliche Musik zu machen.” Wie immer sind die Lieder das Resultat einer zweijährigen Reise. So spricht Marteria offen über seinen Bruch mit dem Alkohol und dem Nachtleben (“Tauchstation”), zu dem ihn vor zwei Jahren ein akutes Nierenversagen zwang. Er besingt augenzwinkernd sein gespaltenes Verhältnis zu Materiellem (“Das Geld muss weg”) und plädiert entschlossen für Empathie und Toleranz (“Links”). Er reist zurück in seine Vergangenheit in Rostock (“Große Brüder”) oder New York (“Skyline mit zwei Türmen”) und blickt durch die Augen eines Geflüchteten auf das Hier und Jetzt (“Elfenbein”). Das Gefühl größtmöglicher Freiheit trifft auf eine Realität, in der diese komplett ausgelöscht wurde. Marteria weiß, dass er das Glück hatte, auf der hellen Seite dieser Grenze zu stehen. Und er weiß, dass ihn das dazu verpflichtet, weiter Grenzen einzureißen. “Als ich da lag mit dem Schlauch im Hals, habe ich gespürt, dass ich noch lange nicht alles erledigt habe. Im Gegenteil. Ich freue ich mich jetzt schon auf die nächste Phase – ohne zu wissen, wie die aussehen wird.”

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