ANA ROXANNE – poem 1 (CD, LP Vinyl)

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„Ich wollte reisen / Nach Hause irgendwohin“, haucht Ana Roxanne über einem unheimlichen, schwebenden Dröhnen in „The Age of Innocence“. „Ich wollte es versuchen / Und sehr weit gehen.“ Das sind die ersten Worte, die wir in Poem 1 hören, und sie stellen eine Künstlerin vor, die sich in einer deutlich anderen Lebensphase befindet als vor fast sechs Jahren, als ihr Debütalbum Because of a Flower erschien. Mit gebrochenem Herzen und nachdenklich blickt Roxanne auf die Veränderungen zurück, die folgten, und zeigt eine neu gewonnene Kühnheit. Ihre Stimme ist nackt, verletzlich und lebendig, nicht mehr verhüllt von Bandrauschen oder Loops und Echos, die unter vielschichtigen elektroakustischen Texturen nicht mehr zu erkennen sind. Im Laufe von „Poem 1“ zeigt Roxanne ihr Können als Sängerin und Songwriterin im klassischen Sinne und nutzt die begrenzte Instrumentierung lediglich, um ihre unverhüllten Töne zu betonen. Gedämpfte Klavierphrasen und gezupfte Bassnoten begleiten träge ihren gequälten Sirenengesang in „Berceuse in A-flat Minor, Op. 45“ und lassen jedes Wort zählen. In „Keepsake“ klingt sie hingegen, als säße sie allein in einer verlassenen Bar, würde den Staub von den Klaviertasten wischen und dabei ihre emotionalen Narben inventarisieren. Es liegt der Geruch von altem Whisky in der Luft, aber Poem 1 ist ein bemerkenswert nüchternes Album; Roxanne versinkt nie in Selbstmitleid, sondern findet Katharsis in der Logik ihrer Ausdrucksweise und verwandelt die Ränder ihrer Erinnerungen in surreale, filmische Nebenbemerkungen. „Untitled II“, das markante, ungehemmte Herzstück des Albums, löst das Lynch'sche Versprechen ein, das seit ihrer ersten EP „~~~“ aus dem Jahr 2019 präsent ist. „Ich habe immer die langsamsten, traurigsten Songs aus dem gesamten Repertoire ausgewählt“, erklärte sie ihnen 2021 und erzählte von ihrem Teenagertraum, Jazzsängerin zu werden. „Ich habe sie so arrangiert, dass sie wirklich langsam und leise waren, das war immer mein Stil.“ Roxanne schnurrt über einen bürstigen, verlangsamten Rhythmus und trauriges Klavier und blickt an den Rand eines heißen Scheinwerfers, wobei sie mit ihren glasigen Beschwörungen den Bühnenrauch durchdringt. Und wenn sie Robert Schumanns Lied „Stille Tränen“ auf „One Shall Sleep“ interpretiert, verwandelt sie Justinus Kerners Worte in ein geflüstertes Echo ihrer eigenen Trauer und erzählt das Gedicht aus dem 19. Jahrhundert über sirupartige Synthesizer und Streicher. Doch am Horizont zeichnet sich ein Licht ab: Roxanne begräbt ihre Vergangenheit in dem herausragenden Chorstück „Cover Me“ und verändert in „Atonement“ das Tempo und die Stimmung, indem sie ihre Stimme zu einem sanften Trällern erhebt. „Allein laufen“, gibt sie schließlich zu. „Vorwärts laufen und nach vorne schauen / Mit einem langen Weg vor mir.“ *Kranky
